Befund K1: Hydrologischer Standort und Bruchgelände südlich der Turminsel
Das Gelände südlich der Turminsel der Burg Angern weist die Merkmale eines ausgeprägten Feuchtgebietes auf (vgl. Befund K1). Es handelt sich um eine flachliegende Niederungszone mit dauerhaft erhöhter Bodenfeuchte. Die Fläche ist heute teilweise durch die Teichanlagen des barocken Landschaftsparks überprägt.
Topografie und Lage: Der untersuchte Bereich liegt zwischen der Turminsel und dem südlichen Rand des historischen Gutsgeländes. Die Geländeform ist durch eine leichte Senkenbildung gekennzeichnet.
Bodenbeschaffenheit: Die vorhandenen Hinweise aus Aushubarbeiten deuten auf schwer durchlässige, tonhaltige Bodenschichten hin. Eine durchgehende stratigrafische Untersuchung oder geologische Profilaufnahme liegt bislang nicht vor.
Hydrologische Eigenschaften: Der Standort zeigt Anzeichen von Staunässe. Die Wasserführung erfolgt offenbar durch oberflächennahes Grundwasser sowie durch Niederschlagsrückhalt im Gelände. Eine technische Regulierung des Wasserstandes ist für die mittelalterliche Phase nicht nachgewiesen.
Vegetation: Für die historische Situation ist von einer feuchtgebietstypischen Vegetation auszugehen, bestehend aus Gehölzen und Schilfbeständen. Direkte botanische Befunde liegen nicht vor.
Bauliche Nutzung: Das Gelände wurde im Zuge der Anlage des Wassergrabens genutzt. Der Graben ist vollständig umlaufend ausgebildet und trennt die Hauptburginsel von der Turminsel. Die beiden Inseln sind künstlich aufgeschüttet.
Materialverwendung: Das beim Aushub des Grabens gewonnene Material wurde zur Aufhöhung der Inselbereiche verwendet. Hinweise auf zusätzliche bautechnische Maßnahmen zur Abdichtung des Grabens sind bislang nicht nachgewiesen.
Archivalische Überlieferung: Ein Eintrag im Gutsarchiv Angern (Rep. H Nr. 444) beschreibt den Bereich des späteren Lustgartens als „Bruch“ und erwähnt Funde von Kampfspuren und menschlichen Überresten. Die Quelle ist zeitlich in die frühe Neuzeit einzuordnen.
Erhaltungszustand: Die ursprüngliche Geländeform ist trotz barocker Überformung in Teilen nachvollziehbar. Die heutige Teichstruktur folgt teilweise der historischen Senkenlage.

Interpretation: Hydrologischer Standort und strategische Nutzung des Bruchgeländes
Die hydrologischen Eigenschaften des Bruchgeländes südlich der Turminsel stellen einen zentralen Faktor für die Standortwahl der Burg Angern dar (vgl. Befund K1). Die Kombination aus natürlicher Staunässe, geringer Bodenstabilität und eingeschränkter Begehbarkeit bot günstige Voraussetzungen für die Anlage einer wasserumwehrten Burg.
Die Einbindung des Bruchs in das Grabensystem lässt sich als gezielte Nutzung vorhandener Geländestrukturen interpretieren. Der künstlich angelegte Wassergraben verstärkte die ohnehin vorhandene Feuchtzone und schuf eine effektive Barriere zwischen der Hauptburginsel, der Turminsel und dem Umland.
Auch ohne direkte Nachweise für eine technische Wasserregulierung dürfte die Lage im Bruch eine weitgehend stabile Wasserführung ermöglicht haben. Die vermutete Existenz wasserstauender Bodenschichten unterstützt diese Interpretation, auch wenn eine geologische Verifizierung bislang aussteht.
Im Zusammenspiel mit der künstlichen Aufschüttung der Hauptburginsel und der Turminsel ergibt sich ein integriertes System aus Geländeformung und Wasserführung. Die Anlage ist somit als Beispiel für eine landschaftsgebundene Bauweise zu verstehen, bei der natürliche und künstliche Elemente eng miteinander verzahnt sind.
Die spätere barocke Umgestaltung des Bruchs in eine Gartenanlage unter Christoph Daniel von der Schulenburg und im Bereich des barocken Landschaftsparks markiert einen grundlegenden Funktionswandel. Der vormals schwer zugängliche und militärisch nutzbare Raum wurde in einen repräsentativen Landschaftsraum überführt, wobei die ursprüngliche Topografie weiterhin im Gelände nachvollziehbar bleibt.