Vermauerte Fensteröffnungen der Ringmauer (Befunde E5–E6)
Die vermauerten Fensteröffnungen in der westlichen und östlichen Ringmauer der Hauptburg Angern belegen bauliche Anpassungen nach der Zerstörung der Anlage im Jahr 1631. Ihre Position, Ausführung und spätere Verschließung stehen im Zusammenhang mit Veränderungen des Geländeniveaus sowie einer funktionalen Umgestaltung der Burganlage in der zweiten Hälfte des 17. und im frühen 18. Jahrhundert.
Befund E5: Fenster in der westlichen Ringmauer
Befundbeschreibung
Lage: Die Fensteröffnungen befinden sich in der westlichen Ringmauer der Hauptburg im Bereich eines oberen Ziegelmauerabschnitts über einem Bruchsteinsockel (vgl. Befund E3).
Konstruktion: Die Laibungen bestehen aus grob zugeschnittenen Ziegeln. Ausgebildete Gewändestrukturen fehlen. Die Öffnungen sind segmentbogig überdeckt, wobei die Ziegel im Sturzbereich radial gesetzt sind.
Erhaltungszustand: Die Fenster sind vollständig vermauert. Das Füllmaterial besteht aus kleinteiligem Ziegelbruch, dessen Farbe und Verband sich deutlich vom umgebenden Mauerwerk unterscheiden.
Bauanalytische Einordnung
Der Mauerverband der Verschlüsse unterscheidet sich deutlich vom umgebenden Verband. Die unregelmäßige Fugenführung sowie der grobkörnige Mörtel weisen auf eine sekundäre Einfügung hin.
Bei einzelnen Öffnungen sind zusätzliche, unregelmäßige Bogenansätze oberhalb des ursprünglichen Sturzes erkennbar. Diese sind als nachträgliche statische Sicherungen oder Ausbesserungen zu interpretieren.


Funktionale Interpretation
Die Lage der Öffnungen im unteren Wandbereich sowie ihre einfache Ausführung sprechen für eine Nutzung als Licht- oder Belüftungsöffnungen für funktionale Nebenräume. Eine Verwendung im repräsentativen Wohnbereich ist auszuschließen.
Die sekundäre Vermauerung deutet darauf hin, dass die ursprüngliche Funktion im Zuge späterer Umbauten aufgegeben wurde.
Bewertung
Die Fensteröffnungen der westlichen Ringmauer sind als sekundäre Einbauten zu bewerten, die vermutlich im Zusammenhang mit einer nachmittelalterlichen Nutzung der Burganlage entstanden. Ihre Ausführung und spätere Verschließung dokumentieren eine Phase funktionaler Anpassung der Ringmauer.
Befund E6: Fenster in der östlichen Ringmauer
Befundbeschreibung
Lage: Die Fenster befinden sich im östlichen Mauerzug des Palas, der zugleich Teil der Ringmauer der Hauptburg ist (vgl. Befund D1).
Differenzierung: Die nördlichen Fenster sind bauzeitlich und als schmale Schlitzöffnungen mit Ziegellaibung ausgeführt. Die südlichen Öffnungen zeigen dagegen sekundäre Veränderungen.
Konstruktion: Die sekundären Fenster sind segmentbogig überdeckt und mit unregelmäßigem Ziegelmaterial vermauert. Die Laibung unterscheidet sich deutlich vom umgebenden Mischmauerwerk.
Bauanalytische Einordnung
Das unregelmäßige Fugenbild sowie die abweichende Mörtelstruktur weisen auf eine nachträgliche Verschließung hin. Die ursprüngliche Öffnung wurde dabei nicht vollständig entfernt, sondern lediglich ausgefüllt.

Zugemauerte Fenster in der Ostwand der Hauptburg

Vermauertes Fenster im südlichen Bereich der Ostwand
Funktionale Interpretation
Die sekundären Öffnungen sind als Licht- oder Belüftungselemente für nichtrepräsentative Räume zu interpretieren. Ihre Lage im unteren Wandbereich sowie ihre einfache Ausführung entsprechen funktionalen Anforderungen einer wirtschaftlichen Nutzung.
Kontext und Datierung
Die Entstehung und Verschließung der Fenster ist wahrscheinlich in die Zeit zwischen ca. 1650 und 1735 einzuordnen. Hinweise ergeben sich aus archivalischen Quellen des Gutsarchivs Angern (Rep. H Nr. 412; Rep. H Nr. 79), die Veränderungen des Geländeniveaus und bauliche Maßnahmen im Umfeld der Hauptburg dokumentieren.
Bewertung
Die Fensteröffnungen der Ostwand zeigen eine klare Differenzierung zwischen bauzeitlichen und sekundären Elementen. Während die nördlichen Öffnungen Teil der ursprünglichen Bauphase sind, dokumentieren die südlichen Fenster eine nachmittelalterliche Umnutzung.
In ihrer Gesamtheit belegen die Befunde eine Anpassung der Burganlage an veränderte Nutzungsbedingungen nach der Zerstörung von 1631 und bilden ein wichtiges Indiz für die bauliche Transformation im 17. und frühen 18. Jahrhundert.
Quellen
- Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 412, Nr. 2 und Nr. 4 (1737)
- Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 79
- Ziegel mit Prägung „Kehnert“ (eigene Untersuchung)
- Dorfchronik Angern (Kirchenvisitation 1650)