Burg Angern
Die um 1341 gegründete Burg Angern bewahrt in seltener Geschlossenheit die originale Bau-, Erschließungs- und Verteidigungsstruktur einer hochmittelalterlichen Wasserburg.

Tonnengewölbe des südlich an den Wehrturm anschließenden Nebengebäudes auf der Turminsel der Burg Angern

Das tonnengewölbte Erdgeschoss des südlich an den Wehrturm anschließenden Nebengebäudes auf der Turminsel der Burg Angern stellt einen zentralen Befund für die Analyse der funktionalen Organisation innerhalb der Anlage dar. Die Gewölbegruppe besteht aus zwei rechtwinklig zueinander angeordneten Tonnengewölben, die als baulich zusammenhängende Einheit ausgeführt sind.

Der nördliche Gewölberaum ist unmittelbar mit dem Erdgeschoss des Wehrturms verbunden und weist Merkmale auf, die auf eine Zugehörigkeit zur mittelalterlichen Bauphase hindeuten. Der südliche Raum wurde dagegen im Zuge der barocken Umgestaltungen des Jahres 1738 neu errichtet. Hintergrund war ein dokumentierter Höhenfehler beim Bau des angrenzenden Schlossflügels, der eine Anpassung der bestehenden Bausubstanz erforderlich machte.

Die daraus resultierende Absenkung des Gewölbeniveaus ist durch eine bauliche Stufe von etwa 38 cm zwischen beiden Räumen bis heute nachvollziehbar und stellt ein wichtiges Indiz für die nachträgliche Veränderung dar. Die räumliche Anordnung der Gewölbe, die interne Verbindung zum Wehrturm sowie das Vorhandensein eines Brunnenschachtes sprechen für eine funktionale Nutzung als Versorgungs- und Lagerbereich innerhalb der Turminsel.

Die bauliche Verbindung zum Bergfried deutet darauf hin, dass der Zugang zum Turm auch unabhängig vom äußeren Zugangssystem erfolgen konnte. Dies lässt eine Nutzung als intern erschließbarer Bereich im Kontext erhöhter Sicherheitsanforderungen plausibel erscheinen.

Für 1737/38 sind im Gutsarchiv Angern mehrere Hinweise auf die Gefährdung und teilweise Erhaltung der Gewölbe überliefert (siehe auch Quellenlage zur Burg Angern):

„[…] da der Maurermeister das Haus 1 Fuß 4 1/2 Zoll tiefer gebauet […] der Hof vor dem Haus verniedriget werden muß, wodurch das Turmgewölbe nebst dem dabei stehenden Keller eingebrochen und verschüttet werden muß […]“ (Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 412, Nr. 1, 16. September 1737)

Die Kombination aus erhaltener Bausubstanz und archivalischer Überlieferung ermöglicht eine differenzierte Rekonstruktion der Nutzung sowohl für die mittelalterliche Bauphase als auch für die barocke Umgestaltung.

Befund G1: Zwei Tonnengewölbe in T-förmiger Anordnung

Befundbeschreibung

Die Gewölbeanlage auf der Turminsel der Burg Angern besteht aus zwei rechtwinklig zueinander angeordneten Tonnengewölben, die zusammen eine T-förmige Grundstruktur bilden.

Der nördliche Gewölberaum verläuft in Ost-West-Richtung und ist baulich direkt mit dem Erdgeschoss des Wehrturms (Bergfried) verbunden. Der südliche Gewölberaum setzt die Anlage in Nord-Süd-Richtung fort und bildet einen eigenständigen Raumkörper innerhalb der Turminsel.

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Südlicher Gewölberaum mit Niveauversatz zum barocken Baukörper

Bauanalytische Einordnung

Die T-förmige Anordnung zeigt eine funktional gegliederte Raumstruktur, bei der zwei Gewölberäume miteinander kombiniert wurden. Die orthogonale Ausbildung ermöglicht eine differenzierte Nutzung innerhalb eines geschlossenen Baukörpers. Der nördliche Raum ist konstruktiv und funktional eng mit dem Wehrturm verbunden. Der südliche Raum weist dagegen bauliche Merkmale auf, die auf eine spätere Überformung hindeuten.

Archivalische Befunde und Bauphase 1737/38

Die barocken Umbauten des Jahres 1737 führten zu einer grundlegenden Veränderung der Gewölbeanlage. Ein Bericht vom 16. September 1737 dokumentiert einen Höhenfehler beim Bau des neuen Schlossgebäudes:

„[…] da der Maurermeister das Haus 1 Fuß 4 1/2 Zoll tiefer gebauet […] der Hof vor dem Haus verniedriget werden muß, wodurch das Turmgewölbe nebst dem dabei stehenden Keller eingebrochen und verschüttet werden muß […]“ (Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 336, Nr. 1)

Die Maßangabe entspricht etwa 38,5 cm und lässt sich mit dem heute noch vorhandenen Niveauversatz zwischen Gewölbe und barockem Baukörper in Verbindung bringen. Ein späterer Bericht vom 18. November 1737 zeigt, dass die vollständige Beseitigung der Gewölbe verworfen wurde:

„[…] daß man die Decke derer Gewölbe ganz wieder neu schlüge und solche niedriger mache […]“ (Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 336, Nr. 4)

Dies belegt eine bewusste Entscheidung zur teilweisen Erhaltung bei gleichzeitiger baulicher Anpassung.

Bauphasen

  • 1. Bauphase (14. Jahrhundert): Errichtung des nördlichen Gewölberaums als Teil der mittelalterlichen Kernanlage in Verbindung mit dem Wehrturm.
  • 2. Bauphase (1737/38): Umbau des südlichen Gewölberaums mit Absenkung der Gewölbedecke.

Der heute sichtbare Niveauversatz von ca. 38 cm ist als direktes bauliches Resultat dieser Umgestaltung zu interpretieren.

Funktionale Interpretation

Die räumliche Anordnung sowie die Verbindung zum Wehrturm sprechen für eine Nutzung als Versorgungs- und Lagerbereich innerhalb der Turminsel. Die interne Verbindung zum Bergfried legt nahe, dass der Zugang zum Turm auch unabhängig vom äußeren Zugangssystem möglich war. Dies kann als Bestandteil eines sicherheitsorientierten Nutzungskonzepts interpretiert werden. Die Kombination aus Gewölberäumen, Brunnenanschluss und geschützter Lage deutet auf eine funktionale Bündelung von Versorgungs- und Rückzugsfunktionen hin.

Interpretationsgrenzen

Die genaue Nutzung der einzelnen Räume kann anhand der vorhandenen Befunde nicht eindeutig bestimmt werden. Ebenso ist der ursprüngliche Umfang der Anlage vor den barocken Umbauten nur eingeschränkt rekonstruierbar. Teile der Anlage sind möglicherweise im Innenhof verschüttet. 

Bewertung

Die Gewölbeanlage stellt einen komplexen Befund dar, der sowohl mittelalterliche Bauphasen als auch frühneuzeitliche Eingriffe dokumentiert. Die Kombination aus baulicher Substanz und archivalischer Überlieferung ermöglicht eine ungewöhnlich präzise Rekonstruktion der Bau- und Nutzungsgeschichte. Besonders hervorzuheben ist der klar nachvollziehbare Eingriff des Jahres 1737/38, der sich sowohl in den Quellen als auch in der baulichen Struktur widerspiegelt.

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Der „kleine Graben“ zwischen Haupt- und Turminsel

Befund G2: Türöffnung vom nördlichen Tonnenraum zum Erdgeschoss des Bergfrieds

Befundbeschreibung

In der Ostwand des nördlichen Tonnengewölbes ist eine Türöffnung erhalten, die einen direkten Zugang zum angrenzenden Wehrturm (Bergfried) ermöglicht. Die Öffnung ist in das Mauerwerk an der Turmbasis integriert und verbindet den Gewölberaum mit dem Erdgeschoss des Turms.

Bauanalytische Einordnung

Die Türöffnung ist konstruktiv in den Mauerwerksverband eingebunden und zeigt keine Hinweise auf eine nachträgliche Einfügung. Ihre Lage im unteren Wandbereich entspricht einer ebenerdigen Verbindung zwischen beiden Bauteilen. Die Verbindung zwischen Gewölberaum und Turm ist als baulich geplantes Element zu interpretieren und steht im Zusammenhang mit der funktionalen Organisation der Turminsel (vgl. Befund F6).

Funktionale Interpretation

Die Türöffnung ermöglicht eine interne Verbindung zwischen Versorgungsräumen und Wehrturm. Diese Verbindung erfolgte unabhängig vom äußeren Zugangssystem und erlaubt eine geschützte Erschließung innerhalb der Anlage. Die Ausbildung spricht für eine funktionale Verbindung zwischen Lager- bzw. Versorgungsbereichen und dem Turm, ohne dass zwingend eine spezifische Nutzungssituation (z. B. Belagerungsfall) vorausgesetzt werden muss.

Bewertung

Der Befund dokumentiert eine direkte bauliche Verbindung zwischen Gewölberaum und Bergfried und liefert wichtige Hinweise auf die interne Organisation der Turminsel. Die Verbindung ist als integraler Bestandteil der ursprünglichen Planung zu bewerten.

Befund G3: Vermauerte Türöffnung in der Westwand des nördlichen Tonnenraums

Befundbeschreibung

In der Westwand des nördlichen Tonnengewölbes ist der Rest einer ehemals durchgehenden Türöffnung erkennbar, die heute vollständig vermauert ist. Die Öffnung befindet sich im unteren Wandbereich und war ursprünglich ebenerdig angelegt.

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Zugemauerte Verbindung zwischen Gewölberaum und Außenbereich der Turminsel

Bauanalytische Einordnung

Die Öffnung ist anhand ihres abweichenden Mauerverbandes sowie der Vermauerung eindeutig als sekundär verschlossen erkennbar. Reste der ursprünglichen Durchgangsbreite sind erhalten. Die Lage spricht für eine direkte Verbindung zum Außenbereich der Turminsel. Die Vermauerung steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit Veränderungen des Geländeniveaus oder der Nutzung der Anlage (vgl. Befund F5).

Funktionale Interpretation

Die ursprüngliche Türöffnung ist als Zugang vom Gewölberaum zum Außenbereich zu interpretieren. Sie ermöglichte eine direkte Erschließung des Raumes von der Turminsel aus. Die spätere Verschließung deutet auf eine Aufgabe dieser Zugangssituation hin, möglicherweise im Zusammenhang mit baulichen Veränderungen wie Aufschüttungen oder Umnutzungen.

Bewertung

Der Befund dokumentiert eine ursprünglich vorhandene externe Erschließung des Gewölberaumes und deren spätere Aufgabe. In Kombination mit Befund G2 wird deutlich, dass sowohl interne als auch externe Zugangssysteme vorhanden waren. Die Gegenüberstellung beider Öffnungen erlaubt eine differenzierte Rekonstruktion der ursprünglichen Wegeführung innerhalb der Turminsel.

Befund G4: Vertikalschacht in der Westwand des nördlichen Tonnenraums

Befundbeschreibung

In der Westwand des nördlichen Tonnengewölbes ist ein vertikal verlaufender Schacht eingelassen, der sich nach oben deutlich verjüngt. Die Öffnung misst im unteren Bereich ca. 70 cm in der Breite und reduziert sich nach oben auf etwa 30 cm.

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Vertikalschacht in der Westwand des nördlichen Gewölberaums

Bauanalytische Einordnung

Der Schacht ist konstruktiv in das Mauerwerk integriert und weist eine regelmäßige Verjüngung nach oben auf. Die Ausbildung spricht gegen eine Nutzung als Durchgang oder Zugangselement. Die Lage innerhalb der Außenwand sowie die Form des Schachtes deuten auf eine funktionale Öffnung hin, deren ursprüngliche Ausführung oberhalb des heutigen Niveaus lag.

Funktionale Interpretation

Die Funktion des Schachtes ist nicht eindeutig bestimmbar. Aufgrund der Form und Lage kommen mehrere Deutungen in Betracht:

  • Lichtschacht zur Belichtung des Gewölberaums
  • Lüftungsschacht zur Verbesserung der Luftzirkulation
  • Kombinierte Licht- und Luftöffnung

Die heutige Verfüllung des darüberliegenden Bereichs erschwert eine eindeutige Zuordnung.

Bewertung

Der Vertikalschacht stellt ein funktionales Bauelement dar, das auf eine gezielte Anpassung der Gewölberäume an Licht- und Luftverhältnisse hinweist. Seine genaue Funktion bleibt jedoch ohne weitergehende Freilegung unklar.

Befund G5: Brunnenschacht in der Ostwand des südlichen Tonnenraums

Befundbeschreibung

In der östlichen Stirnwand des südlichen Tonnengewölbes ist ein vertikal geführter Brunnenschacht eingelassen. Der Schacht ist bis in die Gegenwart funktionstüchtig und stellt eine direkte Wasserquelle innerhalb des Baukörpers dar.

Bauanalytische Einordnung

Die Integration des Brunnenschachtes in die Wand eines geschlossenen Gewölberaumes zeigt, dass die Wasserversorgung unmittelbar in die bauliche Struktur eingebunden wurde. Die Lage innerhalb eines innenliegenden Raumes weist darauf hin, dass der Schacht unabhängig von äußeren Zugängen genutzt werden konnte.

Funktionale Interpretation

Der Brunnenschacht ist als Bestandteil der Wasserversorgung der Turminsel zu interpretieren. Die Lage im Inneren der Anlage spricht für eine Nutzung, die nicht ausschließlich vom Außenbereich abhängig war. In Verbindung mit den angrenzenden Räumen und dem Wehrturm kann der Befund als Hinweis auf eine funktionale Versorgungseinheit innerhalb der Turminsel gewertet werden.

Archivalischer Kontext

„[…] in dem Memoire von Ew. Exz. finde, daß solcher in Form eines Türmchens gemacht werden soll, es sagen auch alle, daß solcher durabler, alleine weilen einer mit einer Schucke zierlicher auf dem Hof stehet […]“ (Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 336, Nr. 19, 5. Oktober 1738)

Die Quelle dokumentiert Überlegungen zur Gestaltung des Brunnens im 18. Jahrhundert. Diskutiert wurden unterschiedliche bauliche Ausführungen, darunter ein Brunnenturm oder eine einfachere Konstruktion mit Ziehvorrichtung.

Bewertung

Der Brunnenschacht stellt einen wichtigen Befund zur Versorgung der Turminsel dar. Seine bauliche Integration und Funktionstüchtigkeit ermöglichen Rückschlüsse auf die Nutzung der Anlage und ihre infrastrukturelle Ausstattung. In Kombination mit den Gewölberäumen und der Verbindung zum Wehrturm ergibt sich ein Bild einer funktional organisierten Nutzungseinheit, die verschiedene Versorgungsfunktionen bündelte.

Befund G6: Fensteröffnung an der Ostseite des südlichen Tonnengewölbes

Befundbeschreibung

In der Ostwand des südlichen Tonnengewölbes befindet sich eine schmale, trichterförmig nach außen verjüngte Fensteröffnung mit annähernd rechteckigem Lichtraum. Die Öffnung ist tief in das massive Mauerwerk eingeschnitten und wird von einem flach gewölbten Abschluss überspannt. Die Laibung zeigt einen deutlichen Putzauftrag, der sich in Material und Ausführung von der umgebenden Bausubstanz unterscheidet.

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Bauanalytische Einordnung

Konstruktion: Die trichterförmige Ausformung der Laibung sowie die tiefe Einbindung in das Mauerwerk entsprechen konstruktiven Lösungen, die eine maximale Lichtausbeute bei gleichzeitig geringer Öffnungsbreite ermöglichen.

Material und Überformung: Der sichtbare Putz im Laibungsbereich unterscheidet sich in Struktur und Ausführung vom ursprünglichen Mauerwerk und ist einer späteren Überarbeitung zuzuordnen. Archivalische Hinweise (vgl. Gutsarchiv Angern, Rep. H Nr. 336, Nr. 4) legen nahe, dass im Zuge der barocken Instandsetzung Eingriffe im Bereich der Gewölbe erfolgt sind. Die ursprüngliche Maueröffnung ist jedoch weiterhin erkennbar und in das Gesamtgefüge des Baukörpers eingebunden.

Bauhistorische Einordnung

Die Ausbildung der Fensteröffnung als schmale, trichterförmige Laibung entspricht typologischen Merkmalen funktionaler Öffnungen in Gewölberäumen des Mittelalters. In Verbindung mit der Einbindung in das Mauerwerk ist eine Entstehung im Zusammenhang mit der Bauphase des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich. Die barocken Maßnahmen betreffen vor allem die Oberflächenbehandlung und möglicherweise die Ausformung der Laibung, ohne dass eine grundlegende Veränderung der Öffnung nachweisbar ist.

Funktionale Interpretation

Die Fensteröffnung ist als Funktionsöffnung zur Belichtung und Belüftung des Gewölberaumes zu interpretieren. Die geringe Größe und die starke Laibungstiefe sprechen für eine auf minimale Lichtzufuhr ausgelegte Konstruktion, wie sie für Lager- oder Versorgungsräume typisch ist. Die Lage in der Außenwand und die Orientierung zum ehemaligen Grabenbereich unterstützen diese funktionale Deutung.

Bewertung

Der Befund stellt eine bauzeitlich angelegte Fensteröffnung dar, die im Zuge späterer Bauphasen überarbeitet wurde. Die Kombination aus ursprünglicher Öffnungsform und barocker Oberflächenbearbeitung erlaubt eine differenzierte bauhistorische Einordnung. Die Fensteröffnung ergänzt das Bild einer funktional organisierten Gewölbeanlage und liefert wichtige Hinweise auf die Nutzung und Ausstattung der Räume innerhalb der Turminsel.

Im 14. Jahrhundert war die Altmark ein Raum konkurrierender Herrschaftsansprüche. Die Markgrafen von Brandenburg, das Erzstift Magdeburg sowie einflussreiche Adelsfamilien wie die von Alvensleben und von Grieben rangen um Besitzrechte, Lehnsbindungen und lokale Machtstellungen. Diese politische Konstellation führte zu einer Verdichtung von Befestigungsanlagen, die sowohl militärischen als auch administrativen Zwecken dienten. KI-generierte Rekonstruktion der Burg Angern um 1340 mit Hauptburg und Turminsel
Die Besitzgeschichte der Burg Angern ist ein exemplarisches Zeugnis für die Dynamik mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftsverhältnisse im Erzstift Magdeburg. Ab dem 14. Jahrhundert lassen sich zahlreiche Wechsel der Lehnsträger, Verpfändungen und Erbteilungen nachweisen, die sowohl die politische Instabilität der Landesherrschaft als auch die wirtschaftlichen Interessen des Adels spiegeln. Besonders die Übernahme durch die Familie von der Schulenburg und deren interne Aufteilung des Besitzes dokumentieren eindrücklich die Auswirkungen des agnatischen Lehnrechts und der Pfandpraxis im spätmittelalterlichen Raum. KI Rekonstruktion Burg Angern um 1343 mit Palas und Wehrturm
Dieser Rundgang durch die Burg Angern um das Jahr 1340 basiert auf einer sorgfältigen Rekonstruktion historischer Quellen, archäologischer Befunde und baugeschichtlicher Analysen. Alle Szenen, Räume und Details wurden unter Berücksichtigung realer Gegebenheiten der mittelalterlichen Anlage entwickelt – etwa der erhaltenen Tonnengewölbe, der typischen Bauweise von Palas, Bergfried und Wirtschaftsflügeln sowie Hinweise aus Inventaren und schriftlichen Überlieferungen. Ziel ist es, nicht nur die äußere Gestalt, sondern auch die Atmosphäre und Lebenswelt einer spätmittelalterlichen Burg erlebbar zu machen – so nah wie möglich an der historischen Realität, doch mit erzählerischer Tiefe. Die Bilder zeigen fotorealistische Rekonstruktionen der Burg Angern um 1350. Sie basieren auf archäologischen Befunden, historischen Quellen und vergleichbarer Bausubstanz – realitätsnah umgesetzt mit moderner KI-Technik.
Die Burg Angern als Niederungsburg des 14. Jahrhunderts in Norddeutschland. Die Burg Angern zählt zu den wenigen Wasserburgen der norddeutschen Tiefebene, bei denen bauliche Struktur, archäologische Substanz und archivalische Überlieferung in enger Beziehung zueinander stehen. Die Anlage vereint militärische, ökonomische und administrative Funktionen innerhalb eines funktional gegliederten Inselburgsystems. Ihre topografische Disposition – bestehend aus zwei künstlich aufgeschütteten Inseln sowie einer westlich vorgelagerten Vorburg innerhalb eines wassergeprägten Grabensystems – lässt zentrale Prinzipien des Burgenbaus im 14. Jahrhundert erkennen. Die räumliche Trennung der Funktionsbereiche sowie die Einbindung in das umgebende Niederungsgebiet verweisen auf eine gezielte Anpassung an die natürlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Lageplan der Burganlage Angern mit Vorburg, Hauptburg und Turminsel (Rekonstruktion)
Die Vorburg der Burg Angern: Funktionsanalyse und historische Rekonstruktion unter der Annahme mittelalterlicher Vorgängermauern (ca. 1350). Die Vorburg der Burg Angern, wie sie auf einem barockzeitlichen Plan um 1760 dargestellt ist, weist eine markante rechteckige Struktur mit drei langgestreckten Wirtschaftsgebäuden und zwei freistehenden Bauten auf. Auf Grundlage architektonischer Analyse, funktionaler Einteilung sowie typologischer Vergleiche mit anderen mitteleuropäischen Burganlagen lässt sich begründet rekonstruieren, dass die barocken Gebäude auf der Struktur und dem Grundriss einer hochmittelalterlichen Vorburg basieren. Die folgenden Ausführungen widmen sich der Rekonstruktion dieser früheren Vorburg unter der Annahme eines Baubestandes aus der Zeit um 1350. Innenhof der Vorburg Angern mit Wirtschaftsgebäuden (KI-Rekonstruktion)
Die strategische Lage Angerns im Dreißigjährigen Krieg. Angern war zu Beginn des 17. Jahrhunderts Sitz eines ausgedehnten Lehngutes der Familie von der Schulenburg, gelegen an der Grenze zwischen dem Kurfürstentum Brandenburg und den geistlichen Territorien Halberstadt und Magdeburg. Die Burg war Teil eines befestigten Ensembles aus Hauptburg, Vorburg und Turminsel. Ihre Lage machte sie im Kontext konfessioneller Konflikte und durchziehender Heere zu einem militärisch sensiblen Ziel. Kriegsbeginn und Vorzeichen (1618–1626) Die Zerstörung Angerns im Jahr 1631 Die Zerstörung der Burg Wiederaufbau, Wirtschaft und soziale Ordnung nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648–1701) Militärische Präsenz in Burg Angern während des Spanischen Erbfolgekriegs
Dieses Essay unternimmt den Versuch, die Lebenswirklichkeit im Dorf Angern um das Jahr 1340 nachzuzeichnen – basierend auf überlieferten Urkunden, Inventaren, Dorfordnungen und vergleichenden Regionalanalysen. Es beleuchtet die sozialen Strukturen , das wirtschaftliche Leben , den Alltag der Bevölkerung , und stellt Angern in den Kontext vergleichbarer Dörfer mit ähnlicher Herrschafts- und Wirtschaftsform. Trotz der lückenhaften Quellenlage aus dem 14. Jahrhundert erlauben spätere Ordnungen und bauliche Spuren einen aufschlussreichen Rückblick auf eine Epoche, in der feudale Macht, religiöse Ordnung und agrarische Selbstversorgung das Leben der Menschen bestimmten. Alte Dorfstrasse von Angern im Mittelalter
Die Errichtung der Burg Angern um die Mitte des 14. Jahrhunderts – Architektur, Handwerk und historischer Kontext Die Burg Angern entstand wahrscheinlich um die Mitte des 14. Jahrhunderts, wohl um 1340/41, im Auftrag des Erzbischofs Otto von Hessen, der das Erzstift Magdeburg von 1327 bis 1361 leitete. Die Anlage ist im Kontext der territorialpolitischen Sicherung des Erzstifts in der südlichen Altmark zu sehen (vgl. Wäscher 1962; Dehio 2002), insbesondere im Spannungsfeld zur benachbarten Mark Brandenburg. Als Befestigung an einer bedeutenden Verkehrsroute diente sie sowohl militärischen als auch administrativen und repräsentativen Zwecken.
Angern

Angern, Sachsen-Anhalt, Landkreis Börde. Heft 20, Berlin 2023 (ISBN: 978-3-910447-06-6).
Alexander Graf von der Schulenburg, Klaus-Henning von Krosigk, Sibylle Badstübner-Gröger.
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft e.V.
Umfang: 36 Seiten, 59 Abbildungen.